Codex Rohonczi – ungelöstes Schrift- und Bilderrätsel

Neben dem relativ berühmten Voynich-Manuskript, dessen mysteriöser Inhalt ebenfalls noch nicht entschlüsselt werden konnte,  stellt der sogenannte Codex Rohonczi eines der weniger bekannten kryptologischen Rätsel der Menschheit dar. Verschiedene Wissenschaftler haben sich über ein Jahrhundert lang daran die Zähne ausgebissen, der Text widersteht jedoch bis heute jeglichen Entzifferungsversuchen. Von der Herkunft des Codex Rohonczi ist lediglich bekannt, daß das Manuskript bis ins 19. Jahrhundert in der Privatbibliothek des ungarischen Grafen Gusztáv Batthyány im westungarischen Rohonc (heute Rechnitz in Österreich) aufbewahrt wurde. 1838 überließ Batthyány seine gesamte Bibliothek mitsamt dem Codex der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest.

Der Codex Rohonczi besteht aus 448 Seiten im Format 12 x 10 cm, die ziemlich sicher um 1530 aus venezianischem Papier hergestellt wurden, da die Blätter ein damals in der Republik Venedig verwendetes Wasserzeichen aufweisen – ein eingekreister Anker in einem sechsstrahligem Stern. Dieser späte Zeitpunkt stellte für die ungarischen, deutschen und französischen Forscher eine Überraschung dar, da auf sie das Dokument den Eindruck machte, als stamme es aus einer Zeit vor 1000 n. Chr. Diese Diskrepanz kann natürlich bedeuten, daß der Codex nur eine Abschrift eines viel älteren Schriftstückes ist – andererseits kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, daß die Herstellung erst relativ kurz vor der Übergabe an die Akademie erfolgt sein könnte, zumal die Geschichte des Buches vor 1838 völlig im Dunkeln liegt. Aufgrund dieser Umstände wurden auch Vermutungen geäußert, daß es sich bei dem Manuskript um ein Werk des historischen Fälschers Sámuel Literáti Nemes (1796–1842) handelt.

Jede der Seiten des Codex ist mit neun bis vierzehn Textzeilen beschrieben, wobei das Schriftbild mit den eher rechtsbündigen Zeilen Grund zu der Annahme gibt, daß das Manuskript von rechts nach links geschrieben wurde. Auch wenn die Schrift unlesbar ist – es lassen sich über 200 verschiedene Schriftzeichen unterscheiden, rund zehnmal so viele wie in den meisten heute üblichen Alphabeten. Allerdings ist auch unbekannt, welche der Glyphen Buchstaben, Zahlen oder Symbole darstellen.

Neben den Texten enthält das rätselhafte Buch auch 87 Illustrationen in Schwarz/Weiß, die religiöse, weltliche und militärische Szenen darstellen. Die Bilder scheinen auf ein Umfeld hinzudeuten, in dem christliche, muslimische und heidnische Religionen koexistiert haben. In den Szenen sind sowohl Kreuz- und Halbmond- als auch Sonnen- bzw. Swastika-Symbole allgegenwärtig.

Auf dieser Seite kann man den ganzen Rohonczi-Codex in eingescannter Form betrachten.