Handy und Gehirntumor – unterschätzte und heruntergespielte Gefahr

Nahezu alle von uns benutzen schon seit Jahren ein Handy, viele auch schon zehn Jahre oder länger. Ein paar wenige wissen auch, daß jeglicher Gebrauch von mobilen Kommunikationsgeräten in einem gewissen Ausmaß schädlich ist.

Neuere Forschungen zeigen aber deutlich, wie sehr die ausgiebige Verwendung von Mobilfunkgeräten das Gehirn beeinflusst. In einer neu veröffentlichten Studie des Universitätskrankenhauses von Örebro in Schweden wurde herausgefunden, daß die Benutzung von Handys über zehn Jahre hinweg das Risiko einer Entwicklung von Hirntumoren um 290% steigert.

Zudem wurde festgestellt, daß die Tumore tatsächlich jeweils auf derjenigen Seite des Kopfes auftreten, an der das Handy hauptsächlich benutzt wurde. Natürlich wird man über diese Studie auf den Titelseiten der Zeitungen oder im Fernsehen nichts finden, und der Zugang zu den detaillierteren Forschungsberichten ist kostenpflichtig.

Die Verbreitung von Mobiltelephonen hat in den letzten zehn Jahren drastisch zugenommen. Das bedeutet, daß neuere Werte mit hoher Wahrscheinlichkeit ein noch höheres Risiko zeigen werden. Statistisch gesehen kommen auf Otto N. in den „Industrieländern“ bereits jeweils zwei Handys. Mit der steigenden Anzahl dieser Geräte entsteht auch das Phänomen „Passiv-Handybestrahlung“. Befindet man sich beispielsweise auf belebten Plätzen in größeren Städten oder im Flugzeug oder Zug, ist man der Strahlung von bis zu mehreren hundert Handys auf einmal ausgesetzt.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist, daß vor zehn Jahren viel weniger Kinder Handys benutzt haben als heute – damals besaßen nur einige wenige ein solches Gerät als „Notfall-Kontakt“. Heute ist es ein ganz normaler Anblick, daß Kinder den ganzen Tag über mit Handys telephonieren, Textnachrichten austauschen oder spielen. Dabei ist es eine bekannte Tatsache, daß Kinder, deren Gehirn sich noch in der Entwicklung befindet, von Mobilfunkstrahlung viel stärker betroffen sind als Erwachsene, und sich aus der Benutzung von Handys im Kindesalter Verhaltensstörungen entwickeln können. Ebenfalls bekannt ist, daß Mobilfunkstrahlung in jedem Fall das Gehirn in einer Weise beeinflusst, die heute noch nicht völlig verstanden wird.

Anders ausgedrückt ist die großangelegte, globale Verwendung von Mobilfunk im Prinzip nichts anderes als ein riesiges biologisches Experiment. Über die wahren langfristigen Effekte werden wir erst dann wirklich Bescheid wissen, wenn sie auftreten. Verfolgt man die Forschungen dazu, wird das Vorkommen von Hirntumoren und Hirnschäden in naher Zukunft höchstwahrscheinlich einen historischen Höhepunkt erreichen.

Wie Sie sich sicher denken können, ist die beste Art, sich vor Handystrahlung zu schützen, die Geräte einfach nicht zu benutzen. Wird das Handy ausgeschaltet, reduziert sich die Emissionsrate auf annähernd Null. Da ein komplettes Ausschalten für viele völlig ausgeschlossen sein wird, gibt es ein paar andere Methoden, die potentiellen Schäden zu minimieren:

  • Benutzen Sie wenn möglich die „Lautsprecher“-Funktion und halten Sie das Handy in der Hand, weg vom Kopf
  • Schalten Sie das Mobiltelephon über Nacht aus und immer wenn Sie es länger nicht benutzen
  • Schalten Sie das Gerät auf „Flugmodus“, wenn Sie es nicht komplett abschalten wollen
  • Informieren Sie sich über andere Möglichkeiten, die Strahlung Ihres Handys zu minimieren. Viele Hersteller verbreiten darüber falsche oder nutzlose Informationen, wählen Sie ein Produkt bei dem diese nachprüfbar sind
Eine der wenigen Stimmen, die vor den weit unterschätzten Gefahren des Mobilfunks warnen, gibt es in Österreich erstaunlicherweise mit der Wiener Ärztekammer. Diese startete 2005 eine Kampagne mit Plakaten, auf denen Regeln für die Minimierung der Handystrahlung aufgelistet sind. Überraschend deutlich wird auch die Fehlinformations- und Verharmlosungspraxis der Mobilfunkbetreiber kritisiert. Nachdem 2011 sogar die WHO die Gefahren der Mobilfunkstrahlung bestätigt hatte, brachte die Ärztekammer einen „Forderungskatalog an Politik, Medien und Industrie“ heraus:
  1. Werbeverbot mit Zielgruppe Kinder und Jugendliche – Hinweis am Ende jeder Werbung auf mögliche Gesundheitsgefahren
  2. Kennzeichnung des SAR-Wertes und Hinweis auf die „10 medizinischen Handy-Regeln“ im Verkauf
  3. Schulung von Lehrern über das Gesundheitsrisiko Mobilfunk.
  4. Attraktivität von Festnetz erhöhen (Flaterate bei Festnetz, keine Flateratetarife mehr bei Mobilfunk)
  5. Festnetztelefonieren muss billiger sein als am Handy zu telefonieren (Festnetz zu Handy-Tarifen gestalten)
  6. Warnungen vor mobilem Internet – insbesondere aufgrund der hohen Dauerbelastung von Körperteilen, bei denen die Wirkungen noch nicht untersucht wurden
  7. Implementierung von Unbedenklichkeitsprüfungen noch vor Einführung neuer Technologien, da schädliche Auswirkungen von Stoffen wie Asbest, Nikotin oder PCB erst Jahrzehnte nach ihrer Einführung zutage getreten sind; daher Risikovorsorge in der Politik bis zur weiteren Klärung durch die Forschung
  8. Einführung des so genannten „ALARA-Prinzips“ (as low as reasonably achievable) bei Mobiltelefonen, DECT(digital enhanced cordless telecommunications) und WLAN
  9. Schaffung einer Reserve für spätere Schadenersatzforderungen
  10. Förderung einer von der Industrie unbeeinflussten Forschung (10 Prozent des Marketingbugets für Forschung und Aufklärung, Verteilung durch eine unabhängige Stelle

Aufgrund der heute nahezu vollkommenen Beherrschung von Medien und Politik durch die Industrie dringen all diese Informationen aber leider kaum in das Gehirn von Otto N., der ansonsten in der Regel 24 Stunden am Tag erreichbar ist – per Handy.


Quellen:
Pakalert Press – Study: 290% Increased Risk of Brain Tumor After 10 Years of Cellphone Use
PubMed – On the association between glioma, wireless phones, heredity and ionising radiation
Natural Society – Cell Phones, EMF Negatively Altering Important Regions of the Brain
ORF – Ärztekammer warnt vor Handys
Wiener Ärztekammer – Mobilfunk 2: Umfassender Forderungskatalog der Ärzte

Siehe auch: Mobilfunk und Medien: Funkstille über Strahlenschäden

 

Ein Kommentar:

  1. Gut, daß ihr Euch dem Thema widmet.

    Die Hardell-Studien zeigen deutlich, daß ein signifikantes Hirntumorrisiko durch die Strahlung von Handy und Smartphone besteht.

    Selbst die INTERPHONE-Studie, Appendix 2, zeigt ein doppeltes Risiko für Gehirntumore (OR 2,18 für Gliom) nach 10 Jahren Nutzung (1640 Stunden, enspricht 30 Minuten Telefonieren pro Tag über einen Zeitraum von 10 Jahren).

    http://www.diagnose-funk.org

    http://www.facebook.com/Mobilfunk.und.Gesundheit

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