Präsident José Mujica, Uruguay – solche "Führer" brauchen wir

Wir wissen alle, selbst die schlummernden „Schlafschafe“ unter uns, daß sich unsere korrupten Politiker in ihrer unersättlichen Gier großzügig bemessene Einkommen gönnen und dafür tief in die vom „buckelnden“ Otto N. gefüllte Staatskasse greifen. Der österreichische Bundespräsident erhält beispielsweise monatlich 26.656 Euro – ohne die in diesen Kreisen üblichen Spesen und Nebeneinkünfte, die den tatsächlichen „Verdienst“ meist noch übersteigen.

Die Gehälter der einkommens- und machtmäßig weit über allen Politikern stehenden Spitzenmanager, Vorstandsvorsitzenden oder „CEOs“ der multinational verflochtenen Konzerne wollen wir hier gar nicht erst erwähnen. Diese astronomischen Summen, mit denen man die Bevölkerungen ganzer Länder ernähren könnte, klingen für uns einfach nur noch lächerlich.

Der Karfreitagsgrill ist nun auf Berichte über ein wahrlich leuchtendes Gegenbeispiel in Südamerika gestoßen. Vor dem Präsidenten von Uruguay, José Mujica, wollen wir mit diesem Beitrag sozusagen „die Welle machen“.

Dieser Mann bekommt für das höchste Amt im Staat den Betrag von umgerechnet etwa 9.680 Euro im Monat. Das hört sich für den Präsidenten eines Landes mit 3,5 Millionen Einwohnern erstmal gar nicht so schlecht an, oder?

Allerdings behält José von diesem Geld gerade mal 10 Prozent, also 968 Euro für sich – auf den Rest verzichtet er zugunsten karitativer Zwecke. Der 77-jährige, der in den 1970er Jahren als Guerillaführer gegen das damalige Militärregime kämpfte und seit März 2010 Präsident Uruguays ist, erklärte in einem Interview mit der spanischen Zeitung „El Mundo“: “Ich komme gut mit diesem Betrag aus. Ich muß damit auskommen, weil es viele Uruguayer gibt, die mit viel weniger leben müssen.“

José Mujica wohnt in einem ziemlich durchschnittlichen Bauernhaus, zusammen mit seiner Frau Lucía Topolansky. Sie ist Senatorin und gibt ebenfalls einen Teil ihres Gehalts ab. Präsident José hat keine Schulden und kein Bankkonto, und sein größter materieller Besitz ist nach eigenen Angaben ein VW Käfer – ohne Chauffeur – im Wert von ungefähr 1.500 Euro. Er selbst schätzt aber etwa die Begleitung seines Hundes „Manuela“ als wesentlich höheren, wirklichen Wert ein.

Daß eine tatsächliche Befolgung der Phrase „Mit gutem Beispiel vorangehen“ sehr wohl Auswirkungen auf andere Menschen haben kann, scheint sich in Uruguay zu beweisen. Seit Mujica dort vor zweieinhalb Jahren sein Amt als Staatspräsident angetreten hat, ist die Korruption im Land laut dem Index von „Transparency International“ vom höchsten auf den zweitniedrigsten Wert in Südamerika gesunken.

Wäre José Mujica Präsident der USA, hätte man ihn wahrscheinlich inzwischen „verunfallen“ oder einfach erschießen lassen wie seinerzeit John F. Kennedy – auch dieser wollte beweisen, daß es auch anders geht und stellte sein gesamtes Einkommen als Präsident den ärmeren Bevölkerungsschichten zur Verfügung.

José, dieser wahre „Mann des Volkes“, hat für seine Selbstlosigkeit von der Bevölkerung Uruguays den Spitznamen „el presidente más pobre“ erhalten – „ärmster Präsident“. Wir meinen, daß genau das Gegenteil der Fall ist und José Mujica in Wirklichkeit zu den „reichsten“ Präsidenten überhaupt gehört.

Quellen und Links:
Lohnspiegel – Politikergehälter Österreich
Bella Naija – Meet the “Poorest President” in the World
Univision News – ‘Poorest’ president in the world donates 90% of salary to charity
El Mundo – Mujica, el presidente más pobre
Transparency International – 2011 Corruption Perceptions Index
Orwell Today – JFK Donated Salary to Charity

 

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