"Jüdische Stimme" verurteilt israelische Angriffe auf Gaza

Die „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ mit Sitz in Berlin ist eine Vereinigung innerhalb der „European Jews for a Just Peace (EJJP)“, die 2002 in Amsterdam von 18 jüdischen Organisationen aus 9 europäischen Ländern gegründet wurde. Sie will „über die Notwendigkeit und Möglichkeit eines gerechten Friedens zwischen Palästina und Israel informieren“.

Am 22. November wurde von ihr der folgende Aufruf veröffentlicht, in dem sie die jüngsten Aggressionen Israels gegen Gaza verurteilt und die Bürger Europas zu einem Boykott israelischer Waren auffordert.


Die Jüdische Stimme für gerechten Frieden im Nahen Osten (Jewish Voice for a Just Peace in the Middle East, EJJP Germany) verurteilt aufs Schärfste die brutalen Angriffe Israels auf den Gazastreifen, die seit der Ermordung von Ahmad Al-Jabari am 14. November nun schon über eine Woche anhalten.

Der Großteil der Bevölkerung des Gazastreifens sind Flüchtlinge, die aus Gebieten deportiert wurden, die heute einen Teil von Israel bilden. Israel hat etwa ein Viertel aller unter seiner Kontrolle lebenden Palästinenser auf einem Raum konzentriert, der 1,5 Prozent des historischen Palästina umfasst. Die Bevölkerung, die sich zur Hälfte aus Minderjährigen zusammensetzt, darf keine Handelsbeziehungen zum Rest der Welt aufnehmen.

Gaza wird als Freilichtgefängnis betrieben und ist von der israelischen Armee umzingelt. Israel besetzt den Gazastreifen mit ausgefeilten Methoden, und erst kürzlich wurde bekannt, dass die israelische Armee für die Bewohner des Gazastreifens eine Quote von 2 279 Kalorien pro Person und Tag veranschlagt. So werden wir daran erinnert, dass die israelische Armee für das Wohlergehen der Bevölkerung des Gazastreifens verantwortlich ist. Der militärische Angriff auf Gaza ist eine illegale Maßnahme kollektiver Bestrafung und ein Kriegsverbrechen.

Die gegenwärtige Runde der Bombardierungen und Tötungen im Gazastreifen findet statt, um die politischen Ambitionen israelischer Politiker für die kommenden Wahlen zu fördern, wobei in zynischer Weise das Leben und die Sicherheit von Palästinensern und Israelis aufs Spiel gesetzt werden.

Mehr als hundert Tote und über siebhundert Verletzte wurden in Gaza gezählt, während wir diese Verurteilung vorbereiteten. Die meisten Opfer waren unbewaffnete Zivilisten, darunter viele Kinder. Auch das Medienzentrum, in dem sich internationale Journalisten versammelten, um über die Angriffe zu berichten, wurde bombardiert.

Wir waren entsetzt, als wir vernahmen, dass die israelische Armee die Familie Al Dallu mit Bomben aus der Luft tötete, während sie sich in ihrem eigenen Heim aufhielt. Zusammen mit ihren Nachbarn wurden bei diesem einzigen Bombenangriff zwölf Personen ermordet.

Benjamin Netanyahu, Israels Premierminister, brüstet sich mit der Unterstützung der israelischen Militäraktion durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (und anderen). Merkel, deren Regierung die israelische Armee mit Waffen versorgt, die jetzt gegen wehrlose Zivilisten eingesetzt werden, setzt ihre politische Macht ein, um über Vermittlung Ägyptens Druck auf die Hamas auszuüben. Merkel unterstreicht Israels „Recht auf Selbstverteidigung“, äußert sich aber nicht zum Recht der Palästinenser auf Leben, Freiheit und Würde.

Indem sie sich mit der Bewaffnung und Unterstützung Israels auf die Seite des Aggressors und Besatzers begeben, übernehmen Deutschland und ganz Europa Verantwortung für die im Gaza begangenen Verbrechen. Wir fordern unsere Regierungen auf, dieses Kriegsverbrechen zu verurteilen und sich von Israel zu distanzieren.

Angesichts der schändlichen Komplizenschaft der deutschen Regierung rufen wir alle europäischen Staatsbürger auf, im Einklang mit der palästinensischen Forderung nach BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) israelische Waren solange zu boykottieren, bis Israel für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen wird. Dies ist die einzige uns verbleibende friedliche Maßnahme, um Druck auszuüben und die Palästinenser in ihrem gerechtfertigten Kampf zu unterstützen.


Quelle und Original: Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V. – Verurteilung

 

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