Putin zerlegt deutschen Journalisten in ARD-Interview

TV_KaputtDa Wladimir Putin nach Deutschland kommt, um unter anderem mit einer hosenanzugtragenden Dame bei der Eröffnung der Konzern- und Industrieschau Hannover Messe ein kleines Theaterstückchen aufzuführen, schickte die ARD einen ihrer Chefredakteure nach Moskau. Mit stolzgeschwellter Brust hatte der öffentlich-rechtliche Fernsehsender den russischen Präsidenten für ein halbstündiges Interview gewinnen können.

Für die deutsche Propagandaanstalt dürfte dieser mit „Putin stellt sich“ betitelte Fersehauftritt allerdings zu einem der peinlichsten zumindest seit längerer Zeit geraten sein. Der Fragensteller Jörg Schönenborn vom WDR erwies sich als vollkommen unvorbereitet und hatte sich offensichtlich nur auf seine mitgebrachten, vorgefertigten Fragen verlassen – ganz im Gegensatz zu seinem vermeintlichem Opfer.

Im Sinne der westlichen Überlegenheitsdoktrin hatte Schönenborn die Durchsuchungen von ausländischen, politischen Stiftungen in Russland kritisieren müssen. Nachdem Putin feststellen konnte, daß der Interviewer von diesem Thema in Wirklichkeit keinerlei tiefergehendes Wissen besaß, bewies er ihm mit einem vorsorglich mitgebrachten Dokument, daß genau die gleiche Praxis in den USA bereits im Jahr 1938 per Gesetz verordnet wurde.

Schönenborn konnte in seiner Verlegenheit nur versichern, daß das überreichte Schriftstück später von ihnen untersucht werden würde. Als Putin auf die zur Schau gestellte Inkompetenz auch mit Gegenfragen reagierte, konnte sein Gegenüber so gut wie keine davon beantworten – bis auf die nach seinem Namen. Es grenzt an ein Wunder, daß die Gesichtsfarbe des Chefredakteurs nicht den Farbton einer importierten Supermarkt-Tomate aus der spanischen Plastikwüste Alméria annahm.

Wollte man jemandem erklären, was der relativ junge und von Mainstream Media abgeleitete englische Begriff Lamestream Media aussagen soll, müßte man nur dieses Interview vorführen. Und unabhängig davon, was man von Putin halten mag – hierbei handelt es sich sozusagen um eine öffentliche Vorführung von Nichtjournalismus eines der größten Propagandamedien im deutschen Sprachraum. Sollte man sich wirklich in der Hoffnung wiegen können, daß dies vielleicht ein kleines Anzeichen des Niedergangs der alten Strukturen und ihrer Kontrollmechanismen ist?


Gekürzte Fassung des Interviews

Videolink: YouTube


Interview komplett

Videolink: YouTube


Quellen und Links:
Deutsche Wirtschaftsnachrichten – Putin führt WDR-Mann Schönenborn vor: „Wie heißen Sie?“
DerStandard – Putin verteidigt Durchsuchungen politischer Stiftungen

 

Senf dazugeben