Wie drei kleine Zwergziegen die Deutsche Ordnung gefährden

Ziege_01_PDDie folgende Geschichte hat sich tatsächlich zugetragen und erzählt, was eine Familie alles erleben kann, wenn sie auf einen Selbstversorger-Bauernhof zieht, ihren Ziegen aus Mitgefühl keine Ohrmarken verpassen will, daraufhin mit einer durchgeknallten „Staatsmacht“ Bekanntschaft macht und wegen 100,- Euro Bußgeld drei Sonder-Einsatzkommandos der Polizei auf den Plan ruft.

Wirklich sehr lesenswert – gefunden auf Initiative.cc.


Eine wirklich wahre Geschichte aus dem schönen Oderland

Sie begann 2004 mit dem Umzug von Berlin ins Brandenburgische. Wir, eine „junge“ Familie (bzw. die Kinder jung, wir schon… naja!) bezogen einen verschlafenen kleinen alten Bauernhof, schön gelegen am Dorfteich. Und begeistert wie wir Neudörfler waren, schafften wir uns alsbald allerlei Getier an. Hühner, Enten, Gänse, Hasen, Ziegen, Katzen (die kommen irgendwie von selbst), Schweinchen und sogar auch eine bunte Kuh. Klingt schön nicht wahr? Mit der Kuh kam die automatische Registrierung in die brandenburgische Tierseuchenkasse. Das ist so etwas wie ein Amt. Ordnung muss schließlich sein. Es heißt: Sollte eine Seuche ausbrechen und wir müssen die arme Kuh schlachten, dann, ja dann übernehmen sie die Beseitigungs- und sonstigen Kosten. In besagter „Brandenburgischer Tierseuchenkasse“ meldet man jedes Jahr im Januar den aktuellen Tierbestand und zahlt eine Summe x dafür. Und gut ist’s. Ist Pflicht. Und so war alles gut.

Ein wenig später, im Jahre 2006, vielleicht erinnern sie sich, kam ein neues Gesetz auf. Die Schäfer demonstrierten laut dagegen. Genützt hat’s nix. Denn: Schafe und Ziegen brauchen von nun an Ohrmarken. Kennzeichnungspflicht ist wichtig in Deutschland und Europa! Das mit diesem Mehraufwand diverse Schäfer große Sorgen samt ihren Schafen zusätzlich haben, interessiert ganz und gar nicht. Denn wie gesagt: Ordnung muss sein. Und vielleicht? Vielleicht denken die großartigen Gesetzeserfinder: „Wenn die Schäfer doch mit so wenig Geld überleben können, dann spielt es denn auch keine Rolle, wenn sie dafür noch mehr tun müssen. Und wenn sie dann noch zucken können, haben sie wohl immer noch zu viel?“ Für uns als Selbstversorger war dies alles weit weg.

Und so kam was kommen musste: Eine Kontrolle wegen unserer Kuh. Und wie die amtliche Tierbeschauerin nebst Kollegin so durch unseren Stall wandelte, fiel ihren wachsamen Augen auf: „Da ist ja eine Sau mit Ferkel! Und alle ohne Ohrmarken.“ Oh! Oh! Freundlichst wies sie uns darauf hin – auch wenn wir die Schweinchen zur Selbstversorgung hätten, müssen alle Schweine Ohrmarken bekommen und registriert sein… Sie war auch gleich so nett für uns alles anzumelden und einzutragen und einen feinen Ordner dafür anzulegen. Wir bräuchten nur noch die kostenlosen Marken bestellen und den Schweinchen ins Ohr einziehen, meinte sie. Wir blickten freundlich dazu. Und sie zogen wieder ab.

Was wir nicht wussten: Die Delegation der Tierseuchenkasse kam schon ein Jahr später wieder. Du meine Güte. Es fing alles so harmlos an. Als erstes wollten die Damen vom Amt die drei Zwergziegen sehen. Wir Trottel hatten sie im Winter ehrlicherweise angegeben… Und es folgte eine sehr wichtige Feststellung: Unsere drei Zwergziegen lebten ohne amtliche Kennzeichnung! Das war schlimm. Auch erkannten sie an: Eine unserer Zwergziegen trug schon einmal eine Marke – nur diese Marke riss sich die Ziegendame heraus. Das machen Ziegen so und ihr Ohr war total kaputt davon. Auch dass das Ohr sehr entzündet war mache nichts. „Denn Ordnung muss sein.“ meinte sie. Und die Ziege müsse dann eben im anderen Ohr erneut eine Marke bekommen und überhaupt, alle drei Zwergziegen hätten keine Marken, wenn sie auch sehr gut gehalten seien, so ist es denn unsere Pflicht diese Marken einzuziehen!

Freundlich reagierte mein Ingo: „Ich werde meine Ziegen nicht mit Ihren Marken quälen. Da kommen keine Ohrmarken mehr rein. Sie wissen, dass Ziegen sich Fremdkörper rausbeißen, auch bei ihren Lämmern! Wissen Sie, wie krank die Ziege war? Machen Sie was Sie wollen, da kommen keine Marken mehr rein. Punkt!“ Stille. Oh! Oh! Das ist schlichtweg Ungehorsam! In einem freien Land, in einer wahren Demokratie, gibt es keinen Ungehorsam! Der Volkssouverän spurt nicht! Das lassen seine „Angestellten“ nicht auf sich sitzen! Das tut man nicht! Und schon folgte unser nächstes Vergehen, denn neben den Ziegen befanden sich drei kleine Schweinchen in Freien, incl. Vollverpflegung, Badesuhle, Moorbad, Spiel-, Schatten- und Sonnenplätze, hin und wieder eine kühle Dusche, kuscheliges überdachtes Schlafplätzchen… Alle drei mit Ohrmarken.

Beflissentlich beäugten die Damen vom „Amt“ die Schweinchen. Es gab ein wichtiges Geblätter im Ordner und es kam, was kommen musste. „Übernachten die Schweine hier draußen?“ wurde deutlich gefragt. Vielleicht war meine Antwort „Nee, die holen wir abends mit ins Bett!“ nicht gut durchdacht, aber mir fiel vor innerem Lachen nichts anderes ein. Nach, wie schon erwähnt, längerem „Geblätter“ im Ordner erschien ein fast schon leuchtender Paragraph und ein seliges Lächeln erschien auf dem Beamtengesicht. Endlich! Es fand sich ein Gesetz samt passendem Absatz. Endlich! Wo da in etwa steht: Schweinefreilandhaltung müsse beantragt werden. Das haben wir nicht getan und nun gefährden wir damit die Welt bzw. „könnten unsere Schweine ausbrechen“ so meinte die Dame vom Amt „und sich mit den wilden Schweinen im Wald paaren und würden alles durcheinander bringen.“

Besonnen nickten wir. Denn ein Stromzaun, ein Holzgatterzaun und außen herum zwei Metallzaungeflechte wirkten sichtlich sicher. Quasi ein vierfach sicherer Zaun! Auch dass es kastrierte, noch sehr junge kleine liebe zahme Ex-Eberchen waren, interessierte hier nicht. „Sie könnten sich schließlich im Wald zu den anderen gesellen…“ Ernst die Damen vom Amt, innerlich fröhlich wir, zogen wir gemeinsam Richtung Kuhstall. Wir wussten um die kommende Überraschung. Mit der Kuh alles in Butter – wie immer! Aber was ist denn das? Da sind ja noch zwei Schweine? Und ohne Ohrmarken?

Wieder war unsere Antwort wohl nicht ganz konform: Denn ich sagte: „Das ist doch die Susi und die Lotta, die kennen Sie doch noch vom vorigem Jahr!“ Nun gab es sehr ernste Amtsgesichter. Mit in etwa den Worten: „So ginge das denn überhaupt nicht. Nun bekämen wir eine Strafe.“ erklärten die Damen ihre Hoheitsgewalt. Mein Ingo antwortete bäuerlich mürrisch: „Machen Sie doch was Sie wollen. Ich hab sowieso kein Geld.“ Das war ein großer Fehler! Denn der Staatsmacht ist diese Antwort nicht gefällig. Es folgt eine wirklich sehr interessante Aussage: „Wir wissen ja wo die Kuh steht, dann nehmen wir eben diese.“ Mit diesen Worten verließen die freundlichen Damen – sich ihrer Macht bewusst – lächelnd unseren Hof. Wir tranken erst mal einen schönen Kaffee unterm Kirschbaum! Denn: Ordnung muss schließlich sein.

Es dauerte etwas Zeit. Strafen müssen sehr gut durchdacht und überlegt sein. Unsere Strafe bzw. meinem Ingo seine Strafe kam via Brief. Tja… Und diese hatte es in sich. Wir werden dieses Schriftstück gern auf Anfrage zuschicken. Und vielleicht, vielleicht kann ja auch jemand der quasi „von Amts wegen“ berechtigt ist, bzw. sich traut dazu Auskunft zu geben, die eine oder andere Frage diesbezüglich beantworten. Denn wir haben noch nie auch nur eine Frage dazu beantwortet bekommen, obwohl wir wirklich viele Fragen gestellt haben. Nun.

Ab jetzt wird es richtig interessant. Zurück zum Brief: Der Absender oben: Brandenburgische Tierseuchenkasse… So gesehen der Briefkopf alles sehr „amtsmäßig.“ Eben wie so ein Amtsschreiben aussieht. Es beginnt: Sehr geehrter Herr… u.s.w. Und nach einleitend freundlichem Ton wurde meinem Ingo in einem neuen Absatz wortwörtlich erklärt: „Um ihren Willen zu beugen… bezahlen sie für jede fehlende Ohrmarke 25,- € Strafe, Gesamt 125.- €. Bis zum … in d. Brandenburgische Tierseuchenkasse e.V. einzuzahlen.“ Und dann kam noch nettes Zeug. Mm. Uns verwirrte der Brief ein wenig. Wir waren also Mitglied in einem Verein. Und der „Amtstierarzt“ unterschrieb im Auftrag. Vielleicht im Auftrag des Vereinsvorsitzenden? Vielleicht war das e.V. auch nur ein Schreibfehler. Kann ja mal vorkommen. So fragten wir denn zurück. Wir erbaten den Unterschied zwischen Amt und Verein erörtert zu bekommen. Aber da kam keine Antwort. Einfach nix! Nur, dass der Amtstierarzt jetzt persönlich zur Kontrolle kam! Dieses Mal waren wir ein wenig gemein. Wir ließen ihn einfach nicht rein. Das war lustig. Ich muss dazu sagen, er ist ein netter Mensch und sein Besuch war wirklich interessant. Weil…

Er erklärte uns doch tatsächlich: „Wir sollen doch keinen Ärger machen!“ Und – „Wir würden doch hier wohnen bleiben wollen!!!“

Bitte lesen sie diese letzten zwei Sätze noch einmal. Unglaublich nicht wahr? Den Rest hab ich vergessen… Ich weiß nur, er hat gesagt, dann hole er sich Beistand um hier rein zu kommen. Und er telefonierte sofort sichtlich herum. Aber an diesem Tag kam der Beistand nicht. Und der Herr Dr. fuhr mit seinem Auto los. Aber er schrieb uns mit der Post, (bzw. mit einer anderen Firma) dass er wieder käme. Sogar einen Termin gab er an. Nach längerem Termin-hin-und-her-Geplänkel (muss ja auch ein wenig Spaß machen) kam er wieder. Dazwischen gab es viel hin und her Geschreibe. Auch fing mein Ingo an zu recherchieren. Es gibt ja diese neue Technik. Computer und Internet. Und da stehen ja Sachen drin. Alles sollte man nicht gleich als wahr annehmen – aber vielen Dingen kann man auf dem Grund gehen und dann, dann ist wirklich unfassbar. Oft sehr erschreckend!

So bekam mein Ingo heraus, dass die großen Seuchen, die es schon gab, meist von Laboren gemacht werden und oft weiterverbreitet wurden über die Tierseuchenämter bzw. der Tiertransporte. Mm? Fühlt sich an wie der Bock zum Gärtner gemacht. Und wir schickten dicke Briefe hin zum Verein der Seuchenamtsvereinskasse. Mit vielen Fragen. Auch wer denn nun der Auftraggeber oder der Vereinsvorsitzende wäre vom „Amtstierarzt“ erklärte der Herr Dr. nicht. Hieß es doch früher im „Namen des Volkes“ – heißt es jetzt: „im Auftrag“. Ich gebe zu, ich weiß nicht mehr wie viel Zeit dazwischen vergangen war, denn wir hatten längst keine Schweine mehr und auch die bunte Kuh war längst im Rinderhimmel. Wäre sowieso gewesen. Wurde alles ordentlich abgemeldet. Sie hatte eine lange schöne Zeit bei uns und durfte deutlich älter werden als in dem konventionellen Stall wo sie einst geboren wurde.

Und doch kam der Herr Dr. von dem Tierseuchenamts e.V. noch einmal. Unsere drei kleinen Zwergziegen lagen ihm so sehr am Herzen, dass er einen wirklich weiten Weg auf sich nahm von seinem „Vereinsamt“ bis hin zu uns. Und wieder ließen wir ihn nicht rein. Denn er hatte keinerlei Amtsausweis oder Vereinsregelungen zum vorzeigen. Nur einen Dienstausweis. Und Dienstausweise sind für den Pförtner, dass man an diesem vorbei kann – jedoch mit einem Amtsausweis! – Tja. Ja da! Kommst du schon deutlich überall rein und er hatte auch keinen Haus – bzw. Tiergehege-Durchsuchungsbefehl. So gesehen von einer Amtsperson unterschrieben. Nix! Also blieb die Tür zu. Nun frage ich Sie, Euch liebe(r) Leser(in): Wann bitte haben Sie das letzte Mal einen Amtsausweis gesehen? So mit Siegel und richtigem Stempel. Tja! Wir haben dazu gelernt. Gelernt, dass es da Unterschiede gibt. Suchen Sie doch bitte mal jemanden, der einen „Amtsausweis“ besitzt. Ich kenne viele Menschen, viele Angestellte als sogenannte „Beamte“, alle haben sie keinen Amtsausweis. Ich freue mich wenn sie uns da aufklären und es vielleicht richtig stellen können.

Aber auch der Herr Doktor war nicht untätig. Er kam beim nächsten Mal gut vorbereitet. So stand er da und nach einem netten Vorgespräch und nach der deutlichen Frage nach Einlass, die mein Ingo freundlichst verneinte, ging er drei Schritte zurück, machte eine zu sich winkende Armbewegung und ein sauberes blau/weißes Auto kam um die Ecke gefahren. Blaulicht war aus. Respekt für den Herrn Tierseuchendoktor. Zwei blau gekleidete Herren stellten sich als brandenburgische Polizei vor. Ein echter Kommissar war auch dabei und es wurde ernst. Einen Durchsuchungsbefehl oder „Amtsausweise“ hatten sie nicht dabei – jedoch sahen sie schon sehr ernst aus und wollten jetzt aber rein. Naja! Großzügig wie wir waren, halfen wir ihnen ein bisschen aus der Klemme und stellten folgende Frage: „Liegt hier Gefahr in Verzug vor?“ – „Ja!“ kam vom Chefpolizisten „Ja, es liegt Gefahr in Verzug vor.“ „Oh!“ meinte mein Ingo, dann holen wir schnell den Schlüssel und schließen auf. Gefahr in Verzug ist ein wichtiger Satz. Dieser Satz hat einen eigenen Status, sehr wichtig. Jedenfalls – jetzt kamen der Herr Dr. und der Herr Kriponalkommissar endlich herein. Ja! Drei kleine Zwergziegen können schon gefährlich sein und richtig viel Aufwand für den deutschen „Staatssäckel“ machen.

Und so zogen wir dann gemeinsam über unser Gehöft. Natürlich zuerst zu den Ziegen. „Wirklich gut gehalten und so schön zahm.“ kam vom Herrn Vereinsamtstierarzt. Mm. Mehr wurde eigentlich nicht erwähnt. Nun möchte er doch, wenn er schon mal da sei und wir ja einen Schweinestall besitzen, sich diesen mal ansehen. Und so tippelten wir Richtung Schweinestall. Inzwischen ohne Schweine. Nur langohrige Kaninchen zu sehen. „Schöne große Ohren! Da passen prima Marken rein!“ kam ein wenig spitz von mir. Na ja was solle er denn machen. Es ist schließlich seine Aufgabe da richtig nachzusehen und wenn es das Gesetz vorschreibt, dann müsse er es auch so machen. Oh! Oh! Das nenne ich gehorsam.

Ich erzählte, dass die Kinder hier in der Gegend täglich eine sehr lange Fahrt mit dem Schulbus machen und auch die Busfahrer Order hätten. Sogar bei Entlassungsandrohung! Diese Order besagt: Die Kinder nicht mitzunehmen, wenn sie ihren Busausweis nicht dabei hätten. Und das obwohl(!) die Busfahrer die Kinder und deren Ausweise auswendig wüssten. Es gibt tatsächlich Busfahrer die sich daran halten. Da ist die Angst dann tatsächlich so groß entlassen zu werden, dass wirklich schon 6-jährige Kinder nicht mit nach Hause genommen wären, hätte die Lehrerin nicht aus ihrem Privatbesitz die Fahrkarte bezahlt. Weiß ich aus gelebter Erfahrung. Oder ein 10-jähriges Mädchen bei tiefstem Schnee & Eiseskälte und langem Fußmarsch zum Bus einfach früh nicht einsteigen durfte, weil sie den Ausweis nicht dabei hatte. Und ich bin begeistert, dass es Busfahrer gibt, die wie Menschen reagieren und sagen: „Steig ein!“ „Was für ein Busfahrer wären sie denn Herr Dr.?“ fragte ich dreist. Es gab keine Antwort darauf. So wie er kam fuhr er wieder los. Die Polizei auch. Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen den Polizisten zu fragen, ob es denn nicht ein wenig peinlich wäre, wegen drei Zwergziegen zu kommen. Dieser Herr antwortete lieber nicht.

Einen „Vereinsamtsbesuch“ habe ich irgendwie noch vergessen. Ich weiß auch nicht, ob dieser vor dem polizeilichen Besuch oder danach war. Ist ja auch egal. An diesem Tag war es wie im Film E.T. Die Vereinsamtsherrschaften zogen sich sogar weiße Ganzkörperanzüge an um unseren Hof zu beschauen… Die Strafe jedenfalls war immer noch nicht bezahlt. Und der Wille von meinem Ingo natürlich nicht gebeugt. Das geht ja wohl so gar nicht! Inzwischen kamen die Gerichte ran. Wie viele Male sich die „ehrenwerten Richter(innen)“ unserer Ziegen wegen die teure Zeit versaßen weiß ich nicht. Wir haben einen ganzen Stapel voller nicht unterschriebener Gerichtspost. Sogar zwei verschiedene Gerichte schrieben uns. Und immer nur von Rechtspflegern im Auftrag unterschrieben. Können sie sich vorstellen, dass ein Zahnarzt zu seiner Schwester sagt „unterschreibe du mal meine Arbeit!“ oder ein Bäckermeister seine Legitimation nicht vorzeigt, aber eine eigene Backstube haben möchte. Hängen denn die Meistertitel nicht überall aus? In jeder Werkstatt! Warum unterschreiben Richter und andere sogenannte Amtspersonen nicht? Und bitte immer in wessen Auftrag denn? Jedenfalls wurde meinem Ingo immer wieder erklärt: Er müsse zahlen. Hat er aber nicht. So wurde es umgewandelt in 10 Tage Beugehaft! Das war Sommer 2011.

Wieder schrieben wir zurück: „Wenn Ihr alle unterschreibt, gehe ich in Beugehaft bzw. zahle auch!“ Und nach jedem Schreiben von uns kam ein neues Gerichtsschreiben. „Alles ist so richtig“ wurde immer geantwortet. Nie mehr. Meist nur drei Worte. Keine Erklärung – nix! Inzwischen haben wir so einiges herausgefunden. Herausgefunden, dass hier, in unserem Land, gar nichts mehr stimmt. So haben wir, also unser Land, lapidar gesagt: „In etwa den gleichen Status wie Irak bzw. Afghanistan.“ Sie werden lachen aber es ist so. Unsere Gesetze sind für uns gemacht und nicht von uns. Das ist ein großer Unterschied! Und man könnte fast schon meinen, eher gegen uns! Wir, dieses Land in dem wir wohnen, sind quasi immer noch besetztes Land. Sogar mit richtigem Kriegsrecht! Haben Sie eine Vorstellung, was das bedeutet? Und es wird noch haariger mit unseren Gesetzen und mit unserer Geschichte. Ach ja, bitte liebe(r) Leser(in), vielleicht können Sie mir folgende Frage genau beantworten: 1. „Wie heißt unser Land?“ 2. „Sind wir ein souveräner Staat?“ und 3. „Welche Staatsangehörigkeit haben wir?“ Ich bin gespannt auf Ihre Antworten! Ach ja und was würde es bedeuten, wenn ja und was, wenn nicht. Und überhaupt! Erklären Sie bitte den Unterschied. Vielleicht finden Sie ja eine andere Wahrheit?!

Weiter mit unserer Geschichte. Inzwischen ist es 2012.

Es war ein Mittwoch im Frühling. Ein Polizist stand vor unserer Haustür. Ich kam raus und der Herr Polizist grüßte freundlichst und fragte, ob denn mein Ingo hier wohnte. „Ja“ antwortete ich. Und ob er denn auch da wäre. Auch das konnte ich bejahen. Und er bekäme da etwas Kleines von meinem Ingo, meinte er. „Das ist ja interessant. Was bekommen sie denn da von ihm.“ „Äh! 100,- €. “ „Ach die! Die bekommen sie nicht!“ gab ich zur Antwort. „Issa denn da?“ kam als Frage zurück. „Na klar!“ Kam von mir. „Na weil…, weil, wenn er nicht zahlt, dann habe ich hier einen Haftbefehl für ihn.“ meinte der wirklich sehr nette Polizist. „Da bin ich ja gespannt wie Sie meinen Ingo mitnehmen wollen? Kommen Sie doch rein, er ist da und dann können wir erst mal einen Kaffee zusammen trinken.“ Das taten wir. Der nette Polizist, mein Ingo und ich.

Und wie wir so saßen, erzählten wir dem Herrn Polizisten unsere ganze Geschichte und wir gaben ihm unsere gesamte Post, die er eigentlich schon hätte haben sollen – weil wir auch der hiesigen Polizei alle unsere „Ungereimtheiten über unser schönes Land“ längst zuschickten. Da stand zum Beispiel drin dass, (bitte halten Sie sich fest – ist jetzt kein Witz!) um das Jahr 2006ff richtig viele, um nicht zu sagen fast alle Gesetze in unserem Land von den „Sharf-Bereinigungsgesetzen“ (das ist amerikanisch) gestrichen bzw. dessen Geltungsbereich dafür gestrichen wurde. D.h. im Klartext: Gesetz da, aber kein Ort wo es gilt. Äh?

„Und was mache ich nun?“ fragte tatsächlich unser Polizist. Davon wisse er ja gar nichts. Das war uns natürlich klar. Wie sollte denn da ein Polizist arbeiten, wenn er wüsste, dass die Gesetze, nach denen er agiert, gar nicht gelten. Das würde ja Sodom und Gomorra heißen! Und Ordnung muss schließlich sein. Das meine ich in diesem Fall auch wirklich. Aber welche Ordnung herrscht denn hier nun? Und ein Haftbefehl von einer Rechtspflegerin unterschrieben ist doch wohl kein Haftbefehl? Bitte wogibt es denn so was? Und was ist ein(e) Rechtspfleger(in)? Da muss doch ein vom Volke eingesetzter Richter(in) unterschreiben. Der ist doch dafür zuständig und haftet natürlich auch. Im Auftrag!? Pah! Da kann ja jeder unterschreiben. Bitte von wem denn? Was für eine Demokratie ist das? In einer Demokratie wird diese vom Volke bestimmt, die Ordnung bzw. die Gesetzte, zumeist durch eine Verfassung. In den meisten souveränen Ländern ist das so. Auch wenn es meiner tiefsten Überzeugung nach gar keine souveränen Länder auf diesem Planeten mehr gibt. So gibt es doch Länder, die eine vom Volke gewählte Verfassung besitzen. Es gibt hier und da sehr lesenswerte Verfassungen. Ob diese dann auch so durchgezogen bzw. eingehalten wird ist eine andere Frage…

Ich jedenfalls bin schon über 50 Jahre alt. Mich hat noch nie jemand gefragt, ob ich an einem Gesetz oder vor allem an einer Verfassung mitarbeiten möchte. Naja. Nun gehöre ich aber auch nicht zu den vom Volke gewählten Volksvertretern… Ich gebe meine Stimme bei jeder Wahl ab und dann landet sie in einer Urne! Vielleicht wird sie da beerdigt, habe sie ja sowieso abgegeben! Na mal Spaß beiseite. Das ist ein anderes Thema. Denn unsere Geschichte geht ja weiter! Also. Unser netter Polizist erklärte uns, er müsse wieder kommen, ganz sicher und fuhr los.

Schon einen Tag später, am Donnerstag, kam er wieder und brachte seinen Kollegen mit. Leider hatten sie Pech. Mein Ingo war nicht da. Soetwas gibt es. Du willst jemanden unangemeldet besuchen und der zu besuchende ist nicht da. Das tat mir sehr leid für die Polizisten und ich meinte: „Sie wollten sich doch anmelden!“ „Eben gerade nicht.“ gab es zur Antwort. „Es sollte doch quasi eine Überraschung sein. Wir wollen ihn doch mitnehmen…“ kam es in etwa weiter. „Jetzt mal ganz ehrlich!“ meinte ich: „Sie nehmen einen Menschen mit, dessen Willen gebeugt werden soll und weil er das nicht macht holt Ihr ihn ab?“ „Ja, so ist das Gesetz.“ erwiderte die Polizei. „Da haben wir ja noch mal Glück mit unseren Gesetzen gehabt.“ erwiderte ich beruhigt: „Weil – ich will mir nicht vorstellen was oder wen ihr abholen würdet, wenn die Gesetze anders wären…!“ Diese Formulierung ist in etwa sinngemäß nachgestellt, gebe ich zu, ich weiß nicht mehr genau wie ich es gesagt habe. Kann aber auch so gewesen sein.

Jedenfalls zog ich mir mit meiner Bemerkung gleich ein wenig Groll bei einem der „Beamten“ zu und er meinte ich solle doch da nicht weiter machen, er könne es als Beleidigung auffassen. Dabei habe ich kein Wort weiter gesagt!? Gedanken sind doch frei! Und… Ich schweig lieber. So zogen beide Herren denn wieder los. Ist es nicht merkwürdig, schon nur, wenn man Gedanken hat, die da beinahe Vergleiche zuließen, ist es gleich ganz schlimm. Ist ja fast schon wie bei Harry Potter, wo man den Namen dessen nicht aussprechen darf… Nun denn: Am nächsten Tag schlossen wir unser Gartentor ab. Muss ja auch mal sein. Und natürlich kamen sie wieder.

Freitag, Vormittag. Wieder kamen sie zu zweit und wieder mit diesem bekannten merkwürdigen Haftbefehl, den wir völlig klar, nicht anerkannten. Dieser dritte Besuch wurde zu einem kleinen Höhepunkt. Weil… Man kann es nicht glauben. Ich weiß nicht ob es eher peinlich oder nur lächerlich ist. Es ging um entweder 100.- € zu bezahlen oder 10 Tage Beugehaft. (Warum es nur noch 100,- € sind, ist hier zu viel der Erklärung.) Gleich zu vollziehen, wenn nicht bezahlt wurde. Der gesamte Gesprächshergang ist zu lang um es komplett wiederzugeben und auch ganz schön peinlich (Nicht für uns). Weil, eigentlich wollen und sollen Polizisten ja die richtig bösen Jungs fangen und hinter Gitter bringen und das ist auch gut so.

Sich mit widerspenstigen, unbeugsamen Menschen herum zu plagen sollte doch nicht ihre Aufgabe sein. (Na dazu habe ich gerade eine unglaubliche Info gelesen: Es soll doch tatsächlich demnächst ein neues Syndrom auf den Psycho-Gesundheitsmarkt kommen. Bitte halten sie sich fest: Unbeugsame Menschen dürfen alsbald das, nennen wir es mal: „Trotzsyndrom“ tragen und sollten dann medikamentös und mehr behandelt werden!!! Ist kein Witz!) Jedenfalls unsere Polizisten hatten ihre Order und die waren: Entweder – Oder! Tja! Es wurde eher zu einem Fest. Die Nachbarn kamen, tranken Kaffee und beobachteten, denn wir öffneten das Tor natürlich nicht. Wir telefonierten mit unserem Rechtsbeistand und unterhielten uns mit den beiden Polizisten. Ja sogar unsere Rechte wurden uns erklärt. Wenn auch erst nachdem wir darauf hinwiesen, dass wir welche hätten.

Bitte lesen Sie sich genau durch, was uns die Gesetze erlauben! Es gibt zwei! Hier wortwörtlich von einem Polizisten erklärt: „Die Gesetze gestatten uns: 1. Wir dürfen hier wohnen. Und 2. Wir dürfen unsere Kinder in die Schule schicken, damit sie etwas lernen…“ Das sind unsere Rechte von einem Staatspolizisten erklärt. Wir haben es auf Film.

Das Ganze war unglaublich. Irgendwann war der eine Polizist mit uns ein wenig sauer und ging zum Auto, a) Hilfe anfordern, und b) wollte er auch nicht mehr mit uns reden. Ich kann ihn sogar verstehen. Wir waren auch ein wenig im Vorteil. Weil, wir dürfen doch das meiste sagen was wir denken, Polizisten dürfen das ja so nicht. Sie werden ja sonst disqualifiziert von ihrer Arbeit und das tun Polizisten nicht. Der Andere, der Nette, unterhielt sich weiter mit mir. „Ob denn mein Ingo sich wirklich wehren wolle?“ fragte er. „Naja“ kam von mir„ ich habe ihm geraten er solle sich in der Stube auf den Boden setzen.“ „Oh nee! Da hole ich mir ja was im Rücken!“ sprach der nette Polizist. „Ist doch ihre Arbeit – Order auszuführen ist doch das, wofür sie ihr Geld bekommen.“ So ging es hin und her. Auch erklärte mein Ingo vorher schon, dass es seine Bürgerpflicht wäre, sich zur Wehr zu setzen, wenn Menschen die sich da sich nicht ausreichend ausweisen würden, bei ihm zu Hause einbrechen und ihn sogar entführen wollten! Das nennt man schlichtweg: Überfall!!!

Steht sogar im „hiesigen Paragraphendschungel“, könne er zeigen. Endlich kam die Verstärkung – die Unterstützung für die Polizei. Ein blau/weißes Polizeiauto. Zwei sehr ernste Polizisten näherten sich zusätzlich der Gesamtsituation. Dreist wie mein Ingo ist, meinte er: „Is‘ ja nix! Mit‘m Mannschaftswagen habe ich schon gerechnet. Wie wollt Ihr vier Leute mich denn hier weg holen?“ Ich muss dazu bemerken. Der eine Polizist hat den schwarzen Gurt in Judo und Ingo, mein Ingo, hat auch einen schwarzen Gürtel in Karate. Beide kennen sich vom Training, sollte ich bemerken: Und beide nicht mehr die Allerjüngsten… Auch kennen sie sich. Und ich glaube beide haben auch gar keine Lust auf wirklich kämpfen… Wäre ja auch wirklich zu idiotisch!!! Jedoch der Eine fühlte sich verpflichtet sich zu wehren und der Andere war verpflichtet ihn zu holen. Verzwickt! Kann ich mal sagen! Jedenfalls es wurde es sehr ernst. Mir persönlich wäre es lieber beide säßen zusammen, palaverten über die Welt und tränken gemeinsam Hopfentee…

Parallel telefonierte unser Rechtsbeistand – ein Mann der sich so richtig auskennt hier mit den Gesetzen, wie sie wo gelten oder auch nicht – mit der „Staatsanwaltschaft“, derweil ich gerade dem netten Polizisten erklärte „dass ich nicht aufschließen werde, weil er doch mein Mann ist und ich zu ihm stehe! Sie sollten sehen wie Sie das Schloss aufbekommen. Ich schließe jedenfalls nicht auf!“ Es war soweit. Freitag zehn vor 12 Uhr. Die Polizei sammelte sich zum Sturm. Die Nachbarn konzentrierten sich und… es klingelte im Polizeiauto. Es gab ein Gespräch im Polizeiauto und alle Herren der Polizei gingen anschließend zu ihren jeweiligen Autos. Wir verwirrt. „Was ist denn nun?“ fragte ich. Grummelig kam zurück: „Hat sich erledigt!“ Alle stiegen ein und fuhren weg. Oh! Oh! Wir wussten, es hat sich nicht erledigt, aber für diesen Tag schon. So tranken wir erst einmal alle einen Kaffee, unsere Nachbarn und wir! Und vor allem mussten wir mit unserem Beistand am Telefon reden um herauszubekommen was er gemacht hat. Es war ein sehr interessanter Freitag.

Und! Natürlich ist die Geschichte nicht zu Ende. Wir kommen zum Höhepunkt des Ganzen! Zwei/drei Wochen später bekamen wir wieder Post vom Gericht. Es war klar: Das Urteil gilt! Entweder 100.- € oder zehn Tage Beugehaft und anschließend trotzdem die 100.- €. Das geht übrigens so weiter bis bezahlt ist. Beugehaft kann bis zu 6 Monate gehen und dann eine Woche raus und wenn du dich nicht beugst bzw. zahlst, geht es wieder rein und so weiter und so weiter… Wir wussten dieses Mal werden sie nicht so nett sein. Aber alles braucht seine Zeit. Und obwohl es gegen meinen Ingo nun einen Haftbefehl gab, fuhr er trotzdem einfach so durch die Welt. Irgendetwas hatte er dabei einmal falsch gemacht, denn die Polizei holte ihn heraus, also aus dem Straßenverkehr, und obwohl er a) ein mit Haftbefehl behafteter Mann war und b) keinen Personalausweis bei hatte, er zeigte einen „Personenausweis“ vor, was ja wohl schon merkwürdig war, ließen sie ihn gehen! Äh, fahren! Das nur so am Rande. Obwohl es die ansässige Polizei war, die ihn kannte.

Ungefähr zwei Wochen vergingen noch, wir hatten es schon wieder mal völlig verdrängt oder vergessen, unser Haus und Hof wieder offen wie eh und je… Da kam er, ein Donnerstag. Es war ein guter Tag, die Kinder waren längst mit dem Schulbus los, Ingo hatte alle Tiere versorgt und auch ich war schon irgendwie eine Runde durch. Ungefähr zehn nach 8 Uhr. Noch im Schlafzeug beschlossen wir „Jetzt kochen wir uns erst mal einen ruhigen Morgenkaffee“. Der Worte Hall noch hörend änderte sich die Situation völlig. „Ingo, die Bullen kommen!“ rief ich und wetzte ins Bad, schnell mal ’ne lange Hose an und noch flink die 100,- € geholt. (Ingo wusste nicht, dass dieses Geld da war!) Als ich zurück in die Wohnstube kam, bot sich mir ein unglaubliches Bild! Hammerharte Sondereinsatz–Kommando–Jungs! Gardemaß, bewaffnet, nicht sehr freundlich umstellten sie meinen Ingo. Er saß im Sessel und durfte sich Socken anziehen. Regelrecht umzingelt!

Den Jungs sah man an: Sie hatten muskelgestählte Körper, waren kampfbereit, im besten Alter um sich zu messen, solargebräunt, polierte kahle Köpfe, dunkelblaue Kluft, polierte schwarze Schuhe. Ob es Stiefel waren? Keine Ahnung! Ich kann nur sagen, auch wenn sie alle optisch sehr gut aussahen, als Schwiegersohn möchte ich so einen nicht haben! Ich musste ans alte Rom denken…. Sicherlich wären große Herrscher stolz auf solche Menschen! Puh! Ich fand sie gruselig! Ob sie zu fürchten waren? Für mich? Nee! Unser ganzes Häuschen war voll mit diesen Leuten. Und es gab auch eine Chefin. Sie war nicht so riesig von Wuchs, eher kleiner. Sie war sehr hübsch und sehr selbstbewusst. Sie zeigte uns den Haftbefehl, natürlich wieder nicht unterschrieben. Ja! Ich durfte ihn kopieren und die junge Dame erklärte mir, sie seien ein Sondereinsatzkommando bzw. drei Sondereinsatzkommandos. Nr. 24 bis 26, und sie bringen „IHN“ nach Wulkow! Wo immer Wulkow ist. Egal!

Der Hammer! Drei Sondereinsatzkommandos um 100.- € einzutreiben bzw. meinen Ingo mitzunehmen! Das nenne ich konsequent.

Irgendwie sah mein großer, etwas übergewichtiger Ingo eher klein aus. Irgendwie war es eher komisch. Aber jetzt geht es los. Ingo, schon im Flur, immer noch umzingelt, ruft mir zu: „Astrid bitte hole doch meine Turnschuhe, dann ziehe ich die an!“ Und ich wetzte los, die Schuhe holen. Was ich nicht bemerkte in dieser Zeit war, dass mein Ingo einen Fuß in die Tür gestellt hatte, so dass er die doch „aufgeregt wirkenden Kampfhähne“ (nicht anders sah ich sie) voneinander trennte. Oh! Großes Gerufe ging los! „Widerstand!“ Ging es aus dem Flur nach draußen. „Widerstand“ hörten wir draußen. „Widerstand“ wurde gerufen bis zum nächsten Auto. Stellen sie sich ein Echo vor. Ungefähr so war es. Im Hausflur wurde es jetzt gefährlich. Einer der Titanen griff meinen Ingo kraftvoll am Arm. Quasi, um diesen umzudrehen. Mein Ingo entspannte so richtig! Er entspannte so sehr, dass der Kampfmann erschrocken los ließ. Es waren nur Sekunden vergangen, glaube ich, denn nun war ich ja schon mit den Turnschuhen da und durfte sie überreichen. Und ein neues Echo erklang im Hausflur und vorne auf der Straße. „Er zieht sich nur die Turnschuhe an! – Er zieht sich nur die Turnschuhe an! – Er zieht sich nur die Turnschuhe an…“ Lächerlich!

Nun ging es hinaus vor die Tür. Die Lage entspannte sich, war jedoch längst nicht zu Ende. Ein guter Freund, der auf unserem Hof gerade zu Gast war, draußen im Zelt schlief, war längst auf die Aktion aufmerksam geworden. Auch er nicht klein von Wuchs, stellte sich ins Tor und „mähhhte“ das Klagelied der Ziegen. Mäh! Mäh!“ Denn die ganze Aktion war ja auch zu lächerlich. Ingo und ich, wir waren irgendwie getrennt voneinander. Langsam lösten sich die Kommandoeinheiten in Gruppen auf und ich fragte zwei der Lulatsche: „Seid ihr euch dessen bewusst, dass Ihr wegen 100,- € hier seid!?“ Eine merkwürdige Geste kam zurück. Ich versuche Sie zu beschreiben. Der hoch gewachsene junge Mann beugte sich leicht zu mir vor und gleichzeitig herunter, einen Arm nach vorn streckend und Daumen und Zeigefinger reibend… Es entglitten ihm siegreich lächelnd, vor Macht nur so strotzend, folgende Worte: “Das bekommen wir richtig gut bezahlt!“

Was ich in diesem Augenblick dachte möchte ich hier nicht aufschreiben. Denn es war definitiv verächtlich. Ich kann es noch immer in mir spüren. Pure Verachtung meinerseits! Mein Ingo bekam gerade Handschellen um und auch er fragte diesen Mann: “Macht ihnen diese Arbeit Spaß?“ Wissen sie welche Antwort kam? „Er bekommt diese richtig gut bezahlt!“ Wenn das keine klare Aussage ist. Derweil startete ich einen neuen Kontaktversuch. Natürlich darf man solche Jungs nicht beleidigen. Ist ja klar. Denn sie agieren ja im Auftrag – hoffe ich – im Auftrag des Volkes? Jedenfalls fiel mir ein Vergleich ein und ich meinte zu einem der Herren: „Wissen sie, gestern hatten wir Besuch von einer Lehrerin und sie bestätigte uns, dass sie durch ihr verbeamtet-sein definitiv ihre Entscheidungsgewalt abgegeben hat und nun willens-unfähig den Gesetzen dient, die da kommen.“ „So etwas prallt an mir ab. Dafür machen wir Seminare!“ raunte es von dem Herrn in dunkelblau zurück. „Das nehme ich ihnen gerne ab.“ Mehr fiel mir dazu nicht ein.

Ingo saß inzwischen in der grünen Minna. Haben sie so ein Fahrzeug schon mal von innen gesehen? Für mich war es eine Premiere. Also: In so einer grünen Minna gibt es quasi eine Zelle. Echt richtig winzig. Da kann ein Mensch sich gerade so rein zwängen. Sieht aus wie ein Plumpsklo, nur innen mit Aluminium ausgeschlagen und das Loch im Sitzbrett fehlt.“ Da saß er nun. Gefangen, gefesselt und bereit für 100.- € zehn Tage ins Gefängnis nach Wulkow kutschiert zu werden. Jetzt erst nahm ich wahr, dass auch die Polizisten aus der nahen Stadt zugegen waren. Dass sie meinen Ingo als so gefährlich einstufen? Du meine Güte! Ca. 15 Leute vom Sondereinsatzkommando und noch die viele Polizei. Das alles für 100,- €. Mann oh Mann! Da saß er nun, mein Ingo. Endlich kam ich näher an ihn heran. Leise flüsterte ich: „Ingo! Ingo! Ich habe die 100,- € in der Tasche. Soll ich sie jetzt bezahlen?“

Die mithörende Einsatzkommandochefin sprach nun deutliche Worte: “Sie haben 30 Sekunden zu entscheiden!“ Pause. Ingos Kopf drehte sich in Zeitlupe erst zu mir, dann nach vorn und wieder zu mir. Er dachte nach… Die Polizistin begann zu zählen. 20. 19. 18. 17… Es war kribbelig spannend muss ich sagen. Ingo dachte immer noch! Langsam drehte er den Kopf wieder zu der Polizistendame und fragte bedächtig: “Krieg ich denn dafür auch ’ne Quittung?“ Ich bekam beinahe einen Krampf in den Wangen um nicht zu lachen. „Ja! Natürlich bekommen sie eine Quittung! Ordnung muss sein!“ kam es vom Beifahrersitz. Ein für mich bis dahin noch nicht wahr genommener Polizist saß dort. „Na dann! Füllen sie bitte eine Quittung aus!“ kam aus es der grünen Minna-Zelle zurück. Und so füllte der Herr Polizist eine Quittung aus, ich übergab den „Herrschaften“ die 100,- € und bekam einen Ingo dafür zurück.

Und schwupp! Waren alle ganz schnell weg und es kam mir vor, als wäre es ein Traum. So still war es! Und soll ich ihnen mal was sagen? Es war ein unglaubliches Gefühl. Irgendwie groß! Die Sonne schien und wir gingen Kaffee trinken! Ordnung muss schließlich sein! Und unsere Zwergziegen? Natürlich sind sie nicht mehr bei uns. Den Ziegen geht es gut. Wir sind nicht die Einzigen die keine Marken reinziehen werden. Es gibt überall Menschen mit Rückgrat. Hat es schon immer gegeben!!! Und wird es immer mehr geben!

Schöne Grüße vom Lande, Ingo und Astrid

Ach ja …. Die 100.- €. Tja! Die sind nun weg. Aber vielleicht tauchen sie ja irgendwie wieder auf?!


Quelle: Initiative.cc | Wie drei kleine Zwergziegen die Deutsche Ordnung gefährden (PDF)

 

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