Warum ich nicht „wählen“ gehe

Kasperltheater_01Zur Zeit gibt es auch unter den aufgeweckteren Menschen überall um mich herum haufenweise Diskussionen, ob man überhaupt zur Wahl gehen sollte oder nicht. Das ist aktuell gerade bei uns in Österreich und auch in Deutschland der Fall, in beiden Ländern werden die Bürger dazu aufgerufen, an Wahlen auf Bundesebene teilzunehmen. Auch in der Schweiz findet eine wichtige Abstimmung statt, bei der das Volk unter anderem über eine Revision des Epidemiengesetzes befragt wird, nach der für bestimmte Krankheiten eine Impfpflicht eingeführt würde.

Nun ist es so, daß ich zu denjenigen Menschen gehöre, die das herrschende System aus tiefstem Herzen verachten und es lieber heute als morgen ins wirkliche Geschichtsbuch schreiben würden. Viele meiner optimistischen Zeitgenossen wagen zu behaupten, es werden immer mehr, die davon überzeugt sind, daß wir so schnell wie möglich alles auf Anfang setzen, uns zusammenfinden und einen kompletten Neustart wagen müssen.

Und es gibt auch wirklich nur noch wenige, die bestreiten würden, daß diese politischen „Wahlen“ ein Teil eben dieses Unrechtssystems sind. Meiner Meinung nach tragen wir aber mit dem Betreten der Wahlkabine zur Erhaltung dieser Unordnung bei. Ich fürchte, für das System spielt es überhaupt gar keine irgendwie geartete Rolle, bei welcher Partei wir alle paar Jahre ein Kreuzchen machen, oder ob wir auf dem Wahlzettel alles durchstreichen, Comics und Graffiti draufmalen, einen Papierflieger daraus falten oder ihn anzünden.

Nein, für eine Fortsetzung dieses Irrsinns, den anscheinend schon so viele von uns genau bei diesem Namen nennen und nicht mehr unterstützen wollen, ist nur wichtig, daß wir überhaupt hingehen, daß wir dem ganzen sozusagen ‚Energie verleihen‘ – ein Ausdruck, den man immer öfter zu hören bekommt. Wir sollen tunlichst an diesen Wahlen teilnehmen, gezählt und registriert werden und zur Wahlbeteiligung beitragen, alles andere ist vollkommen egal, wurscht, schnuppe – in welchem Wahlsystem auch immer.

Optimism_germanDas einzige, das für dieses Kaperltheater mit Leichenbergen hinter den Kulissen vielleicht eine Gefahr darstellen könnte, wäre eine Wahlbeteiligung, die gegen Null tendiert. Das würde dieses System, das sich demokratisch nennt, in seinen Grundfesten erschüttern, es eventuell zum Wanken bringen. Nur, auch mit einer sehr optimistischen Einstellung muß man zugeben, daß wir davon ziemlich weit entfernt sind. Das Spiel wird so weitergehen wie bisher, weil der überwiegende Großteil von uns dabei mitspielt.

Wir kennen ja auch noch kein anderes als dieses globale Monopoly-Spiel, das uns mit der Devise ‚Friß oder stirb‘ unter die Nase gesetzt wird. Wir sind immer noch viel zu wenige, die es überhaupt in Frage stellen; die dazu bereit wären, sich an einen Tisch zu setzen und ein völlig anderes, wirklich alle Menschen zugleich einbeziehendes System zu entwerfen, das all diese himmelschreienden Ungerechtigkeiten beenden würde. Die Fähigkeiten, Mittel und Technologien dazu hätten wir schon lange, davon sind viele von uns überzeugt. Nur müssten wir unbedingt noch viel mehr werden, und zwar möglichst rasch. Soweit meine zugegeben unmaßgebliche Meinung dazu.

Mit herzlichen Grüßen an alle Wähler und Nichtwähler,
Euer Kollege V.

P.S.: Hier noch eine Information zum sich hartnäckig haltenden Märchen, daß auch Nichtwähler einen Einfluß auf das Wahlergebnis hätten:
Wahlrechtslexikon – Stimmenthaltung/Ungültige Stimmabgabe

Mausland – was Wahlen wirklich sind
Videolink: http://youtu.be/T2Wlz9tl4ZA


Siehe auch: Die Vorarlberger | Wer wählt, vergibt die Chance zur Veränderung

 

4 Kommentare:

  1. Peter Mauerhofer

    Leider geht aus Ihrem Artikel nicht hervor, WAS genau am Wahl/Demokratiesystem WARUM nicht gut ist und WIE Sie KONKRET dagegen vorgehen wollen.

    Schönen Gruss aus der Schweizer Demokratie.

    • Hallo und besten Dank für den Kommentar. Sie scheinen anzunehmen, daß ich und viele andere gegen die MITBESTIMMUNG der Menschen eintreten, aber nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Wir brauchen eben ECHTE Mitbestimmung, wovon Sie in der Schweiz, wie Sie anscheinend in Ihrer Signatur ausdrücken wollen, zugegeben noch ein wenig mehr haben, als das bei uns vor allem seit dem Beitritt zur EU der Fall ist. Nun weiß ich nicht, wie gut Sie darüber Bescheid wissen, und wie immer mehr Kompetenzen unserer Länder nach und nach an diesen Bürokratie-Moloch übergeben werden, immer mehr wichtige, die Menschen betreffende Entscheidungen in Brüssel statt in Bregenz oder Wien getroffen werden.

      Ich wurde nicht gefragt, ob ich etwa mit dem Lissabonner Vertrag, diesen Verfassungs-Ersatz mit seiner Schießbefehl-Klausel einverstanden bin. Man hat uns weder gefragt, ob wir den Euro als unsere Währung wollen, noch ob wir den Bankster-Rettungsmechanismus ESM annehmen wollen. Die Liste könnte weiter und weiter gehen.

      Unsere ganze Entscheidungsmacht liegt darin, alle vier Jahre ein Kreuz bei einer der vorgeschlagenen Parteien mit ihren bunten Farben machen zu dürfen, um danach die ganze Zeit gefälligst die Klappe zu halten. Alle vier Jahre werden wieder die Posten unter den durch und durch korrupten Politikermarionetten neu verteilt, die selber überhaupt keine wichtigen Entscheidungen treffen können oder wollen. Das war’s, mehr ist da nicht dran.

      Was genau soll das bitte mit dem zu tun haben, das Sie unter „Wahl/Demokratiesystem“ verstehen? Und ich werde mich hüten, einen KONKRETEN Plan von MIR vorzuschlagen, warum auch? Wie ich schon geschrieben habe, ich glaube daran, daß wir etwas besseres auf die Beine stellen können, wenn wir es schaffen würden, uns alle zusammenzuraufen und darüber reden, im Zeitalter der modernen und grenzenlosen Echtzeit-Kommunikation kann das kein großes Problem mehr sein. Vorschläge gibt es ebenfalls bereits genug, aber die korrupten Kriminellen „an der Spitze“ wollen die natürlich nicht hören.

      Wahrscheinlich wollen Sie mir nicht glauben, daß diese „Wahlen“ mit Mitbestimmung nichts zu tun haben, aber bitte hören Sie einmal nur 12 Sekunden einem dieser Politiker zu, Herr Seehofer hat es im Rahmen einer Kabarett-Sendung einmal gewagt, die Wahrheit auszusprechen:

      http://youtu.be/0OO-tarb3pU

      Schöne Grüße aus der österreichischen Un-Demokratie 😉

    • Ein Nachtrag zum Stichwort Schweizer Demokratie – hier die Reaktion eines Lesers aus der Schweiz auf einen Artikel von Johannes (Schnittpunkt:2012), in dem dieser sich lobend über diese „direkte Demokratie“ geäußert hatte:

      Guten Tag Johannes,

      träumen Sie weiter! Unsere Basisdemokratie ist genauso verlogen, wenn nicht noch schlimmer. Wir dürfen zwar regelmässig ein Zettelchen in eine Urne schmeissen, aber seit Jahren – wenn nicht Jahrzehnten – dient dieser Akt bestenfalls als Stimmungsbarometer.

      Die nun derart umstrittene MEI wäre an sich gar nicht nötig gewesen. Mit der Abstimmungsvorlage zur Personenfreizügigkeit wurde uns damals ein ganzer Katalog an „flankierenden Massnahmen“ präsentiert, der eben genau das nun erfolgte Überborden hätte eindämmen können. Diese Gesetze gibt es, sie müssten nur Anwendung finden. Dies geschieht jedoch nicht, weil die Kantone sich untereinander einen zerstörerischen Steuer-Konkurrenzkampf liefern. Wir sparen uns – allem Reichtum zum Trotz – buchstäblich zu Tode. So geht das Schulsystem in Zug wegen Kostendruck vor die Hunde und die Infrastruktur (Strassen/öff. Gebäude) im Kanton Schwyz wird seit über 10 Jahren sträflich vernachlässigt. Dies sind die zwei reichsten Kantone.

      Selbstverständlich werden populäre Projekte unterstützt resp. umgesetzt, auch bei uns wollen sie alle in der nächsten Legislatur wieder gewählt werden! Darunter leiden müssen all jene Dinge, die nicht so offensichtlich sind, zum Beispiel das sinnvolle Umsetzen von ebenso sinnvollen Gesetzen. So dürfen Steuerflüchtlinge in unserer Gemeinde teure Villen besitzen, müssen diese aber nicht bewohnen, während einheimische, junge Erwachsene raus geschmissen werden, weil sie eine Liebesbeziehung im Nachbardorf haben (Lebensmittelpunkt = Steuerdomizil, so das Gesetz).

      Ausländer dürfen sich allen Gesetzen widersprechend in den Städten niederlassen und vom Sozialsystem profitieren, weil die gesetzlich notwendigen Niederlassungskontrollen aus „Kostengründen“ einfach gestrichen wurden. So ächzen die idyllisch ländlichen Gebiete unter den Steuerflüchtlingen, halten mit diesen jedoch den Steuersatz tief und zwingen damit, Steuerkonkurrenz sei Dank, die Städte und Agglomerationen zu völlig irrwitzigen Sparmassnahmen, was dann für die Sozialflüchtlinge aus dem Ausland zum Paradies wird.

      Das Problem will nicht gelöst werden, zu viele Neurotiker und Opportunisten profitieren davon. Im Moment hat zufällig die SVP die Nase vorn.

      Ich verstehe ja die Deutschen, dass sie uns um unsere „direkte Demokratie“ beneiden. Aber glauben Sie mir, wer hinter den Polit-Vorhang schaut, sieht da genau das selbe wie überall auf der Welt! Dabei macht das absolut keinen Unterschied ob die Bevölkerung nun von der momentanen „Siegerin“ SVP oder irgend einer anderen Partei belogen und betrogen wird. Ich hatte ein politisches Amt inne. Ich habe viel aufgedeckt und genauso viel eben NICHT aufdecken können. Nach exakt 18 Monaten war ich wieder draussen – Leben oder Politik war die einfache Entscheidung. Ich habe mich fürs Leben entschieden.

      Ein Musterland der Demokratie? Nein, nur noch bessere Augenwischerei als ennet der Grenze!

      Beste Grüsse aus der Schweiz, E.

      http://schnittpunkt2012.blogspot.co.at/2014/02/email-aus-der-schweiz.html

  2. robertcimmermann@gmail.com

    Gründen Sie doch eine eigene Partei. Wenn Sie genug Wähler finden, können Sie Ihre Anliegen durchsetzen. So funktioniert Demokratie. Ihre Ablehnung bedeutet Zustimmung. Sie sabotieren sich also selbst.

Senf dazugeben