Wer wählt, vergibt die Chance zur Veränderung

DieVorarlberger_LogoThomas Cassan | Die Vorarlberger | 26. September 2013

Warum sollte ihrer Meinung nach nicht gewählt werden?

Erst mal vorneweg – ich bin ein Demokrat von tiefstem Herzen. Es ist wichtig, gemeinsam im Dialog Lösungen zu finden und dann Entscheidungen zu treffen. Es gibt in dem Ganzen nur ein Problem: Wir haben keine Demokratie. Es wird uns zwar als solche verkauft – jedoch ist dieses System von den Politikern und deren Steuerungsorganen – welches mitnichten das Volk ist – schon lange zweckentfremdet und somit ad absurdum geführt worden. Das einzige, was als Demokratie durchgehen würde, sind Wahlen per Handzeichen unter der Voraussetzung, dass alle die Frage  verstanden haben und auch in der Lage sind, zu entscheiden. Heute werden Parteien gewählt, deren Interessen rein gar nichts mit dem eigentlichen Volkswillen zu tun haben. Aus dieser Lage heraus wird über die Menschen, die in diesem Land wohnen, bestimmt, ohne dass sich jemand überhaupt zu Wehr setzen kann.

Und nun kommt das wichtigste Argument überhaupt, warum nicht gewählt werden sollte: Jeder, der wählt, trägt für alles, was die angebliche Regierung tut, die volle Verantwortung. Die Politiker selber sind ja immun. Unsere Stimme wird „abgegeben“ – das heißt, wir geben sie her  – stecken sie in eine Urne- also ein Gefäß, welches eigentlich für sterbliche Überreste gedacht ist und wundern uns dann, wenn wir nichts mehr zu sagen haben. Wählen in der heutigen Form ist in Wahrheit eines der schlimmsten Verbrechen, das man machen kann. Mit der Legitimation unserer Regierung durch Wahlen werden Länder ausgebeutet, Kriege geführt, Geschäfte gemacht und Menschen umgebracht. Und das jeden Tag.

Ein Beispiel: jeden Tag sterben weltweit 37.000 Kinder an Hunger und Krankheiten. Warum? Weil die „armen“ Länder ihre Lebensmittel an die Großkonzerne billig verkaufen müssen und dafür dann wieder teure Lebensmittel importieren müssen. Da bleiben die Ärmsten der Armen auf der Strecke – nur damit wir hier billige Lebensmittel haben. Und wer beschließt die Gesetze, damit diese Art von Handel erst möglich wird? Unsere Politiker – ganz besonders die, die im Europäischen Parlament sitzen. Und dann heißts – da kann man eh nichts machen. Na und ob! Eines Tages werden wir, wenn wir nicht bald diesem Treiben ein Ende setzen, von diesen Völkern gerichtet werden. Dann wird die Aussage – „ich hab da nichts davon gewusst“ – nicht mehr gelten – denn dann trifft einen jeden hier in Europa die Kollektivschuld. Das muss einem einfach bewusst werden.

Was wäre ihrer Meinung nach die Alternative?

Wichtig aus meiner Sicht ist in erster Linie, dass wir uns aktiv von dem aktuell herrschenden System verabschieden. Wir müssen uns nur organisieren. Es gibt eine Nichtwählervereinigung, die hier den ersten Schritt macht und über die ich sehr gerne Auskunft gebe. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Menschen erkennen, dass sie keine Angst  zu haben brauchen. Wir als Menschen geben dem System erst durch unsere Energie die Möglichkeit, über uns zu „herrschen“. Es ist leicht, dem System einfach die Energie zu entziehen. Wir brauchen wieder freie Menschen, nicht versklavte Personen. Gehen sie davon aus, dass die Menschen in der Lage sind, sich entsprechend zu organisieren, um die alltäglichen Probleme zu lösen. Es gibt ein ungeheures Innovationspotential, wenn die Menschen wieder lernen zu kooperieren statt sich in Konkurrenz aufzureiben.

Ganz ohne Regeln wird es nicht funktionieren, das ist wohl jedem klar. Aber – und auch das ist einer der wichtigsten Punkte – wir brauchen eine allgemein gültige Vereinbarung unter den Menschen hier in Vorarlberg, welches als oberstes Prinzip die Freiheit des Individuums hat. Dies ist die Grundlage für alle weiteren Vereinbarungen, die in freier Selbstbestimmung von jedem Menschen mitbestimmt werden können. Man nennt das auch „Verfassung“. Und diese ist dann festgeschrieben und darf nicht wieder geändert werden. Es soll Menschen geben, die dieses Gesetz verteidigen und sich um strikte Einhaltung bemühen. Dies jedoch immer im Namen der Liebe und des gemeinsamen Verständnisses. Gewalt in jeglicher Form ist unter allen Umständen zu vermeiden.

Das hat nichts mit Pazifismus zu tun. Es geht nur darum – wer Gewalt säht, wird Gewalt ernten. Wir Menschen müssten wieder lernen, uns zu vertragen – daher kommt auch das Wort „Vertrag“ – und zu kooperieren. Weg vom Wachstumszwang, der uns von der Finanzdiktatur aufgezwungen wird, hin zu einer Wertegemeinschaft, wie sie in jeder Region wieder einzigartig sein soll und sein darf. Demokratie im eigentlichen Sinn heißt „ein Dorf, das den Wagen zieht“ – also in gewisser Weise ein selbst bestimmtes Dorf. Hieraus lässt sich schon ableiten, dass Demokratie auf überregionaler Ebene nicht funktionieren kann, da die Entfernungen einfach zu groß sind, als dass immer alles gerecht entschieden werden könnte. Und es braucht Männer und Frauen, welche bereit sind, ihre Reputation in die Waagschale zu werfen, um dieser Zukunft Leben einzuhauchen. Menschen, die ihr Bestes für die Menschen geben – und das ohne Bezahlung und ohne Lohn – nur um der Sache willen.

Wir liegen in der Endzeit der Demokratie nach heutigem Verständnis und durch unsere Teilnahme verlängern wir nur den Sterbeprozess. Wir haben es in der Hand, uns eine gerechte Ordnung zu geben, welche nicht auf Recht basiert, sondern auf Ansprüchen. Das ist ein großer Unterschied. Und die wirklichen Persönlichkeiten, welche sich um die Belange der Menschen kümmern, sind die Besten der Besten. Gehen Sie nicht wählen, entscheiden Sie sich für einen Weg der Freiheit und der Selbstbestimmung. Wie schon Martin Luther King einst gesagt hat: „Wir haben gelernt, die Luft zu durchfliegen wie die Vögel und das Meer zu durchschwimmen wie die Fische, aber nicht die einfache Kunst, als Brüder zusammen zu leben.“ Geben Sie sich und Ihren Mitmenschen die Chance, es anders zu machen und gehen Sie nicht wählen.

Thomas Cassan
Obmann des Vereins „Die Vorarlberger – Verein zur Föderung der Bewusstseinsbildung“
www.dievorarlberger.at


Siehe auch: Karfreitagsgrill-Weckdienst | Warum ich nicht „wählen“ gehe

 

Senf dazugeben