„Unwort des Jahres“ 2014: Lügenpresse

Kürzlich erklärten Sprachwissenschaftler in Deutschland das Wort „Lügenpresse“ zum „Unwort des Jahres“ 2014 – und alle großen Zeitungen und Sender sorgten für eine virale Verbreitung dieser Aktion in der gesamten Medienlandschaft.

Als Begründung für ihre Entscheidung gab die Jury an:

„Die Tatsache, dass die sprachgeschichtliche Aufladung des Ausdrucks (1. Weltkrieg, Nationalsozialismus) einem Großteil derjenigen, die ihn seit dem letzten Jahr als ‚besorgte Bürger‘ skandieren und auf Transparenten tragen, nicht bewusst sein dürfte, macht ihn zu einem besonders perfiden Mittel derjenigen, die ihn gezielt einsetzen.“

Der Begriff wird also offensichtlich seit mindestens 100 Jahren in genau dieser Form verwendet. Wirft man nun einen Blick auf die „Unwörter“ der vergangenen Jahre, handelt es sich dabei meist tatsächlich um Unwörter und sprachliche Neuschöpfungen wie „Döner-Morde“, „Herdprämie“ oder „Humankapital“.

"Lügenpresse"-Plakat bei den Demonstrationen nach dem Dutschke-Anschlag in Berlin 1968

„Lügenpresse“-Plakat bei den Demonstrationen nach dem Dutschke-Anschlag in Berlin 1968

In die engere Auswahl kamen 2014 auch die tatsächlichen Wort-Neuschöpfungen „Putin-Versteher“ und „erweiterte Verhörmethoden“. Daß also gerade jetzt ein vergleichsweise schon sehr lange geläufiger Ausdruck zum Unwort bestimmt und dessen Verwendung exklusiv auf Kriegpropagandisten des Ersten und Zweiten Weltkriegs zurückgeführt wird, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Hintergründe dieser Auswahl.

Das System sieht sich gezwungen, in die Defensive zu gehen – angesichts einer aktuell immer größer werdenden Zahl erwachender und aufmerksamer, die Einseitigkeit der gleichgeschalteten Berichterstattung durchschauender Medienkonsumenten.

Die angebliche „Tatsache“, einem Großteil der besorgten Bürger wäre die sogenannte „sprachgeschichtliche Aufladung“ des Begriffes nicht bewußt und der Rest würde ihn als perfides Mittel einsetzen, ist in Wirklichkeit ein frei erfundener Vorwurf. Damit sollen Menschen, die offen ihre Stimme erheben – und tatsächlich besorgt sind – pauschal entweder als einfältige Naivlinge oder aber als hinterlistige Systemgegner abgeurteilt werden.

Die durchwegs berechtigte Kritik an der heutigen, sehr wohl so zu bezeichnenden Propaganda der Massenmedien wird auf diese Weise in die Nähe radikaler Gesinnungen gerückt – ein oft angewendetes und bewährtes Mittel der Diffamierung.

Dabei wird völlig unterschlagen, daß es sich bei „Lügenpresse“ im Grunde nur um ein einfaches, zusammengesetztes Hauptwort der deutschen Sprache handelt – unabhängig davon, ob es nun ein paar Wahnsinnige im vergangenen Jahrhundert als Schlagwort eingesetzt haben und es heutige Sprachwissenschaftler nachträglich für diese Wahnsinnigen sozusagen „patentieren“ lassen wollen.

Die Wirklichkeit wird also wieder einmal vollkommen verdreht – daß noch selbst denkende Menschen mit diesem Wort einfach nur ausdrücken wollen, was die heutige „Presse“ für sie ist: Eben eine Presse, die mit Lügen, Verdrehungen und Weglassungen arbeitet.

 

3 Kommentare:

  1. Tja… Rabulistik so weit das Auge reicht. Sie frisst sich bisweilen so tief in die Gehirne, dass es den meisten noch nicht mal mehr auffällt.

    Was aber nicht verwundert in der Enddegeneration ( http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/andreas-von-r-tyi/degeneriert-menschliche-intelligenz-im-rueckwaertsgang.html – leider kein Volltext – nähme ich gerne entgegen, falls ihn jemand hat) von Neobabylonien.

  2. Pingback:Radio MOPPI 22. Februar 2015 | Netzwerk Volksentscheid

  3. Pingback:Radio Moppi – 22.2.2015 | Kulturstudio

Senf dazugeben